In einer Zeit, in der alles immer schneller voranzuschreiten scheint, sind Termine und Verabredungen zu einem festen Zeitpunkt Auslöser von Stress. Werde ich es rechtzeitig schaffen dort zu sein? Bin ich dem Anlass entsprechend gekleidet? Was ist wenn…?

Fragen wie diese bringen uns schnell in Unsicherheit und erhöhen unser Stresslevel, das sollte jedem klar sein. Doch wie sieht es mit kleineren Terminen aus, sogenannte feste Zeiten, zu denen wir irgendetwas vorhaben? Das Baby muss um 18 Uhr gestillt werden, der Wecker zur Arbeit klingelt um Punkt 9 Uhr. Während das Mittagessen um 12 Uhr auf dem Tisch zu stehen hat, darf das Abendessen nicht später als 18:30 Uhr serviert werden. Könnten solche feste Zeiten die Ursache vieler kleiner Stressmomente sein, die uns über den Tag verteilt bevorstehen? Ich habe den Selbstversuch gewagt und habe eine Woche lang jeden Morgen ausgeschlafen und bin ohne Wecker in den Tag gestartet. Was das Experiment zeigt und ob ich dadurch entspannter geworden bin, erfahren Sie in diesem Artikel.

Um ehrlich zu sein, hatte ich mir das Experiment ein wenig anders vorgestellt. Der Plan war jeden Abend ungefähr zur selben Zeit ins Bett zu gehen um jeden Morgen um die selbe Zeit aufstehen zu können. Auf ein paar Minuten früher oder später sollte es nicht ankommen. Hauptsache ich war ausgeschlafen und wurde nicht durch einen Wecker aus dem Schlaf gerissen. Doch schon am zweiten Tag deutete sich das ab, was sich über die restliche Woche noch verschlimmern sollte. Schlafe ich am Morgen nur ein bisschen länger, gehe ich abends später ins Bett. Daraufhin schlafe ich am nächsten Morgen wieder ein Stück länger und geht am Abend erneut ein Stückchen später ins Bett. Ich war ja noch nicht müde. Die Zeiten zu denen ich abends ins Bett ging und zu denen ich morgens aufstand, haben sich von Tag zu Tag ein Stück weiter nach hinten verschoben.

Der Grund, weshalb ich so ein Experiment überhaupt machen konnte, ist die Gleitzeitregelung meines Arbeitgebers. Diese erlaubte es mir auf die Arbeit kommen und gehen zu können, wie ich mochte. Auch sonst hatte ich unter der Woche keine weiteren Termine, sodass ich nicht in Zeitstress geraten konnte. Durch das immer spätere Aufstehen und immer spätere Einschlafen verschoben sich auch meine Arbeitszeiten, sodass ich anstatt von 6:00 Uhr bis 15:00 Uhr, nun von 9 oder 10 Uhr bis 18 oder 19 Uhr arbeiten musste, um meine Stunden noch einhalten zu können. Denn all meine Überstunden verlieren oder gar Minusstsunden machen, wollte ich auch nicht. Mir blieb also nichts anderes übrig als bis abends im Büro zu sitzen und arbeiten zu müssen, während meine Kollegen sich bei schönem Wetter schon Mittags verabschiedeten um die Sonne zu genießen.

Dieses Schöne Experiment zeigt, wie sich der Zeitpunkt des Stresses über die Woche verschoben hat. Vor dem Experiment kam der Stress abends, während ich darauf bedacht war nicht zu spät ins Bett zu gehen, um morgens wieder früh aufstehen zu können. Während des Experiments erhöhte sich das Stresslevel schon im laufe des Tages. Dies begann schon morgens um 9 oder 10 Uhr, wenn mir nach dem Aufwachen und einem Blick auf die Uhr klar wurde, dass ich schon wieder bis spät abends im Büro bleiben muss. Schlechte Laune war also vorprogrammiert.

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